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Titelthema

Bunt und vielfältig - Sorgen verbinden

Begrüßung von Dr. Christian Waterkamp
Vorstand (CEO) Diakonieverein Bruchsal e. V.

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, Sie sind gut in das neue Jahr 2024 gekommen. Möglicherweise haben Sie sich Vorsätze für das beginnende Jahr gemacht oder planen, einen Wunsch in die Tat umzusetzen. Vielleicht gehören Sie zu denen, die sich ganz einfach und ohne viel „Drumherum“ im neuen Jahr angekommen sehen und sich dem Alltag zuwenden.

Beim Schreiben dieses Textes teile ich mit vielen Menschen die Gefühlslage zwischen Sorgen und Hoffen in Anbetracht der vielen ungelösten Fragen und Probleme, noch dazu die Kriege insbesondere in der Ukraine und im Gaza-Gebiet. Genau in dieses Gemengelage hinein wird uns die Jahreslosung vorgeschlagen und sie könnte nicht herausfordernder sein als in dieser Zeit: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“ (1. Korinther 16, 14)

Ich gestehe gerne, dieser Satz aus den Korintherbriefen in der Bibel ließ mich im ersten Moment erstarren, erzeugte Irritationen und forderte mich heraus.

Eine erste Hilfe erfuhr ich durch die Predigt von Achim Schowalter (Pfr. Paul Gerhardt Gemeinde – Südstadt) in einem Gottesdienst. Zunächst stellte er den Vers in den Zusammenhang zur damaligen Geschichte und Situation in Korinth. Vieles war dort im Umbruch, völlige Orientierungslosigkeit, die Menschen in der Gemeinschaft dort lebten im Streit. In diese Situation schreibt Paulus seinen Brief mit vielen positiven, aber auch ermahnenden Hinweisen für die Gemeinschaft dort und er gibt ihnen den guten Rat: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“

Heute und aktuell ist der Begriff „Liebe“ nicht sofort zugänglich oder besser: Welche Liebe ist gemeint? In seiner Predigt stellt Achim Schowalter vier Verständnismöglichkeiten zum Begriff der Liebe vor, die sich aus der Übersetzung aus dem Griechischen ins Deutsche darstellen.

Es sind die „Erotik“, die „freundschaftliche Liebe“, die „natürliche Liebe“ (Eltern-Kind) und die „wertschätzende Liebe“. Für Paulus, den damaligen Textschreiber und damit für die Jahreslosung, geht es um die „wertschätzende Liebe“, die gemeint ist. Das passt sehr wohl auch in den Zusammenhang damals in Korinth und möglicherweise auch heute, wo wir als Menschen leben, arbeiten, diskutieren, demonstrieren - uns wertschätzend lieben - .

„Wertschätzende Liebe“ hilft möglicherweise auch Ihnen weiter, der Jahreslosung zu begegnen, sie zuzulassen für Ihre Gedanken und Ihre Empfindungen. „Alles, was ihr tut, geschehe in – wertschätzender Liebe“.

Für mich ist damit eine Haltung gemeint, die ich einüben darf, die mich formen darf, in die ich mich eingewöhnen darf.

Fulbert Steffensky gibt zum Umgang mit Losungen, also auch Jahreslosungen, den Hinweis, diesen Text als Raum – Schutzraum – anzusehen, der sich öffnet, mit Freudigem, Bekanntem, Ermunterndem, aber auch möglicherweise Fremdem, gar zum Widerspruch Aufforderndem.

„Wertschätzende Liebe“ ist nicht „Eiapopeia“, sondern erkennt den Mitmenschen, den Nächsten, wertschätzt den Mitmenschen, ermahnt den Mitmenschen, kann auch Unangenehmes, Kritisch-konstruktives dem Mitmenschen erfahrbar machen.

Hier entsteht für mich der Zusammenhang mit dem Titel unserer Ausgabe ‚Bei uns‘. Sorgen, Nöte, Ängste, Widersprüche haben ihren Platz bei uns, sind Teil unseres Alltags, unseres Lebens. Damit verbunden reagieren Menschen unterschiedlich, individuell, persönlich. Es kommt zum Ausbruch von Krankheiten, Aggression, Depression, vielleicht auch Gewalt. Ebenso auch gibt es die „wertschätzende Liebe“, mit der wir uns ganz persönlich begegnen dürfen und dann aber auch dem Mitmenschen, mit dem wir in Kontakt treten, ihn wahrnehmen, mit ihm oder ihr sprechen, diskutieren oder demonstrieren.

Die Haltung einer „wertschätzenden Liebe“ darf uns auffordern und herausfordern in diesem Jahr.

Hanns Dieter Hüsch (Kabarettist, 06.05.1925 – 06.12.2005) setzt auf die Liebe. Möglicherweise gibt Ihnen dieser Text eine Hilfe, der Jahreslosung zu begegnen.

„Alles, was ihr tut, geschehe in (wertschätzender) Liebe.“

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Dr. Christian Waterkamp

 

 

 

 

 

 

Ich setze auf die Liebe

 

Ich setze auf die Liebe

Wenn Sturm mich in die Knie zwingt

Und Angst in meinen Schläfen buchstabiert

Ein dunkler Abend mir die Sinne trübt

Ein Freund im anderen Lager singt

Ein junger Mensch den Kopf verliert

Ein alter Mensch den Abschied übt

 

Das ist das Thema

Den Hass aus der Welt zu entfernen

Und wir bereit sind zu lernen

Dass Macht Gewalt Rache und Sieg

Nichts anderes bedeuten als ewiger Krieg

Auf Erden und dann auf den Sternen

 

Die einen sagen es läge am Geld

Die anderen sagen es wäre die Welt

Sie läg in den falschen Händen

Jeder weiß besser woran es liegt

Doch es hat noch niemand den Hass besiegt

Ohne ihn selbst zu beenden

 

Er kann mir sagen was er will

Und kann mir singen wie er´s meint

Und mir erklären was er muss

Und mir begründen wie er´s braucht

Ich setze auf die Liebe! Schluss.“

 

Hanns Dieter Hüsch

 


Ausgabe 1/2024

Erschienen am 29.01.2024



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