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Monika Bartsch (Künstlerin)

Ausstellung im Franziskus Haus des Ev. Altenzentrums

von Dezember 2011 bis März 2012

Monika Bartsch in Gedanken über ...

... meinen Werdegang

"Meine Wurzel zur Kunst sind eigentlich die Pferde."

Seit meiner Kindheit und Jugend habe ich mich stark mit Pferden beschäftigt. Ich fühlte mich stark zu Pferden hingezogen und das war für mich die Vorstufe zur Kunst. Die Lebewesen studieren, Kommunikation mit dem Lebewesen, - ich habe eigentlich bis zum 20. Lebensjahr nichts anderes gemacht. Und dann habe ich eine Fotografenlehre gemacht. Ich habe damals Pferde fotografiert. Nach der dreijährigen Ausbildung reichte das dann aber nicht aus. Ich wollte spüren und erkunden, wie es mit malen, zeichnen oder im kreativen Bereich aussieht. Da ich aber von der Hauptschule komme und eigentlich vom elterlichen Haus keine Unterstützung oder Bildung in diese Richtung hatte, habe ich vorerst den Weg an die freie Kunstschule in Stuttgart gefunden. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Da hat man viel mit Modellen gearbeitet und menschlichen Figuren. Das war das richtige für mich. Ich war dann 1,5 Jahre an der freien Kunstschule, da konnte man sich in allen Bereichen ausprobieren. Das Malen war es schon immer bei mir. Portraits haben mich schon ganz früh interessiert. Die Gesichter. Danach habe ich sechs Jahre Kunst studiert an der Karlsruher Kunstakademie,  habe diese  als Meisterschülerin abgeschlossen und mein Diplom erworben. Seit 1990 bin ich freischaffende Künstlerin.

… meine Entwicklung

Ich habe meine Malerei weiter entwickelt. Mir war es wieder wichtig, die menschliche Figur ins Bild zu bringen. Zu der Zeit hat man viel experimentiert. Der Mensch wurde immer mehr weg gelassen. Unterschiedlichste Stilrichtungen gab es während meines Studiums, -ich habe aber immer meine Sachen verfolgt.

"Das war immer ein Drang, wie ein Forschen für mich."

Und habe so meine Malweise entwickelt, die später die Ölmalerei wurde weil ich da sehr viel verarbeiten kann oder Tage und Wochen lang den Malprozess verfolgen kann. Ich gehe ganz auf den Malprozess ein und habe keine vorgefertigten Ideen sondern die Malerei an sich ist das, was mich beschäftigt hat. Das bedeutet für mich: was ist ein lebendiger Prozess, was ist Leben, wie entsteht etwas, wie vergeht etwas, und dabei wollte ich nicht im Ungegenständlichen bleiben. Obwohl ich eigentlich im Ungegenständlichen beginne und abstrakt arbeite. Aber mir war es wichtig, dass der Mensch einen Einstieg über die Farbe und das sinnliche Erleben, durch die Art, wie ich mit der Farbe umgehe, in das Bild geführt wird und eine Beziehung dazu findet. Das war mir immer wichtig. Keine Geschichten zu erzählen oder ein Konzept zu haben. Und so habe ich eigentlich 30 Jahre lang diese Malweise entwickelt.
Dabei habe ich entdeckt, dass ich weiter in den Raum vordringe. Die Farbe, die in den Raum geht und die Ebene der Abbildhaftigkeit überwindet.

"Spannend wird es, wenn ich in die Tiefe vordringe, in eine andere Welt und allein durch die Kraft der Farbe in den Raum vordringe."

Das heißt, ich muss fortwährend überarbeiten, was ich konstruiert habe, ich muss verwerfen und mit den Farben von unten heraus aufbauen. Ich setze die Farben „nass in nass“ ineinander damit so eine Leuchtkraft oder Lebendigkeit entsteht. So habe ich das Thema „Menschen in der Stadt“ entwickelt, was für mich so ein zeittypisches Weltbild verkörpert: dieses flüchtige, massenmenschliche, z.B. in der Fußgängerzone. Das ist für mich ein Thema, das ich gefunden habe, diese Menschenmengen zusammen zu bringen als Ganzheit und wie eine abstrakte Farblandschaft. Es ist für mich beides. Da sind Brüche drin, wie ein Netzwerk. Die Figuren verweben ineinander wie eine Einheit. Ich möchte Atmosphäre  und Tiefe im Bild haben. Das verlangt von mir als Mensch, Grenzen zu überschreiten, weiter zu lernen, auch da wo es nicht weitergeht weiter zu machen und neue Dinge entstehen zu lassen. Und so bildet sich dann die Form. Ein Forschen und Erweitern.

… das Leben

Mich interessiert eigentlich, was ist Leben, was lebt man? Aus meiner Herkunftsgeschichte habe ich nie in gesicherten Verhältnissen gelebt und die  Dinge einfach gemacht. Ich habe dadurch diese Risikobereitschaft, mich auf unsichere Wege zu begeben und mich zu öffnen, dass neue Dinge einfließen können. Mein Lebensweg war nicht so vorgeplant, dass ich eine sichere Stelle annehme und nebenher Kunst mache, das funktioniert nicht. Ich muss immer offen bleiben.

"Und ich muss mich der Frage öffnen, wie geht es weiter?"

Diese Wege kann ich nicht vom Kopf her vorbestimmen. Da wird mir klar, dass das eine große Sache des Glaubens und des Vertrauens ist. Das hat nichts mit rationaler Tätigkeit zu tun.

"Ohne Vertrauen könnte ich diesen Beruf, diese Berufung gar nicht ausüben."

Ich erfahre keinerlei Unterstützung. Seitdem ich wirklich konsequent diesen Weg gehe, habe ich mehr das Gefühl, dass es funktioniert. Wenn man loslässt von den Sicherheiten, auch im Kopf. Manchmal muss man altes ganz über den Haufen werfen und ganz neue Wege suchen. Und dann bekommt man oft etwas geschenkt. Das ist aber ein schmerzhafter Weg, über die Grenze hinaus zu gehen. Nach z.B. sechs Wochen harter Arbeit, wenn ich verzweifelt bin, dass ich es nicht hinkriege und ich dann trotzdem dran bleibe und sage: es gibt immer eine Lösung. Das ist für mich ein Weltbild oder ein grundlegender Gedanke.

"Die Offenheit bewahren und nicht an festen Gerüsten festhalten."

In jedem Bild muss ich mir diese Offenheit neu erarbeiten. Ich hinterfrage meine eigenen Methoden und möchte mich ständig erweitern. Dazu lernen oder in neue Bereiche vordringen.

… das Portrait

…ist nicht nur mein Schwerpunkt. Mein Schwerpunkt  ist vor allem die freie Arbeit. Die Menschen-Landschaften oder Figuren-Landschaften . Für Portraits ist es schwierig gute Auftraggeber zu finden, die die Arbeit schätzen. Wenn ich ein Portrait ernsthaft als Gemälde bearbeite, dauert das schon zwei Monate. Ich habe auch viele kürzere Portraits gemacht, bei denen ich mir nicht so viel Zeit nehmen kann. Für mich bleibt das dann aber mitten im Arbeitsprozess stecken. Für mich wäre es spannender, mehr Zeit zu haben für ein Portrait. Da bräuchte man aber Sammler oder Unterstützer die das würdigen oder die das schätzen. Und so mache ich immer wieder mal, weil ich ja von der Kunst leben muss, kürzere Portraits oder male mal ein Pferd für jemanden.

… wie ein Portrait entsteht

Die Person kommt zuerst ca. eine Stunde zu mir und sitzt. Da nehme ich die Person erst einmal gefühlsmäßig auf. Ich bekomme einen Eindruck, erlebe die Person und finde die Farben. Dann mache ich selber Fotos. Wichtig ist der Grundstock „von Innen heraus“.

"Wie genau der Mund geformt ist oder die Augenbraue, das sind eher Nebensächlichkeiten." 

Auf Festen habe ich auch Kurzportraits angeboten, bei denen ich nicht länger als 45 Minuten male. Da bin ich gezwungen in begrenzter Zeit etwas auf den Punkt zu bringen. Durch die Spannung und den Druck gelingt das auch meistens. Im Atelier fließt Zeit mit ein und Gedanken und Prozesse, da braucht ein gutes Portrait viel länger. Dadurch werde ich den zu malenden Personen aber nicht unbedingt nah. Ich nehme gar nicht persönlich die Nähe zu demjenigen Menschen wahr, sondern verhalte mich neutral. Ich nehme Farben und Formen wahr, Bewegungen und Gestik. Ich nehme das einfach auf. Ohne Bewertungen oder Deutungen.

"Alles hat seine Berechtigung."

… Ausstellung im Altenzentrum

Ausgestellt habe ich bisher noch nie in einem Altenzentrum oder einer anderen Alteneinrichtung. Im Odenwald habe ich einen Malkurs für Ältere angeboten. Wir haben einen Tag lang gemalt und dann ausgestellt. Die Arbeit mit Menschen, die Auseinandersetzung und Kommunikation interessiert mich dabei sehr. Dass man sich in einer Einrichtung wie dem Altenzentrum Zeit für Kunst nimmt, z.B. wie bei der Vernissage, ins Gespräch zu kommen, das finde ich sehr wichtig.

… die Vernissage

Es war für mich sehr schön, mich persönlich bei der Ausstellungseröffnung einzubringen. Wir sind durch die Ausstellung gegangen, von Bild zu Bild. Es war richtig schön, zu erfahren, dass da so großes Interesse besteht. Diese Gruppe bestand aus richtig interessierten Zuhörern, die unter anderem Fragen gestellt haben und richtig dabei waren. Das erlebe ich zur Zeit selten. Oft sind bei Vernissagen nur noch Kunsthistoriker anwesend, die dann etwas aus den Büchern zur Kunstgeschichte referieren, das ist so weit weg vom Künstler.

"Ich finde es wichtig, dass Künstler wieder selber mehr Position beziehen."

In der Vernissage entsteht oftmals keine Kommunikation. Ich finde es wichtig, dass auch dort wieder Themen angestoßen werden. Dass die Menschen wieder Interesse finden und/ oder Bezug zum Künstler, wie er lebt, was er macht. Das hat mir gut gefallen. Weil ich persönlich mit den Leuten ins Gespräch kam. Bewohner habe ich beobachtend erlebt. Beim Aufbau habe ich schon wahrgenommen, dass die Gesichter „anziehen“ und evtl. auch vielen etwas „sagen“.

… das Alter

Ich denke, dass jeder Lebensabschnitt ein wichtiger Teil vom Leben als Ganzes ist. Und eine wichtige Berechtigung hat. Das Alter wird meiner Meinung nach von der Gesellschaft mehr oder weniger tabuisiert. Für mich ist gerade ein alter Mensch faszinierend. Die Geschichte eines Menschen in meinen Bildern oder der lebendige Prozess ist ja ein Werden, Entstehen und Vergehen. Ich habe Kopflandschaften entwickelt, in denen sich der Kopf verformt und dadurch auf den ersten Blick „unschön“ wird. Der wird „zerstört“ um etwas Neues zu finden oder zu entwickeln. Viele Menschen bewerten das übereilt, wenn ein Kopf oder eine Figur Brüche hat o.ä. Für mich hat so etwas überhaupt keine positive oder negative Bedeutung.  

"Es geht mir nicht darum, schöne Dinge zu malen, sondern eher „wahre“ Dinge."

Und für mich ist es ganz normal, ob mal alt ist oder krank. Es geht nur um Entwicklung.

… den Betrachter

Die Kunst ist einfach da und berührt, wenn man für Wahrnehmung offen ist. Über die Jahre habe ich gemerkt, dass jeder Mensch den Bezug zu einem bestimmten Bild findet oder hat. Entweder, weil es etwas mit ihm zu tun hat oder vielleicht von den Farben. Etwas wird bewegt oder gebannt. Kunstvermittlung wird aber meines Erachtens zunehmend wichtiger. Dass man sich mehr über Kultur und Kunst austauscht und durch solche Ausstellungen auseinander setzt.

"Kunst und Kultur sind die höchsten Güter die eine Gesellschaft hat."

Vieles von unseren „Werten“ zerfällt. Aber Kultur bleibt lebendig und bleibt wertig auch über Generationen hinaus. Was macht den Menschen aus, was ist dem Menschen etwas wert? Diese Frage wird viel zu häufig unter den Teppich gekehrt. Man muss Kultur und Kunst immer wieder neu pflegen und bewahren. Jede Generation aufs Neue wieder. Jeder Mensch muss aufs Neue wieder für sich lernen und erleben und die Fähigkeiten entwickeln. Die kommen und gehen und verfallen. Das Fortschrittsdenken funktioniert meiner Meinung nach nicht ausschließlich gerade aus. Eher in einer Kreisbewegung. In der auch immer wieder etwas weiter gegeben wird. Das ist für mich wichtig in der Malerei. Malerei zu bewahren und zu leben. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht effektiv ist und ich mal keine Rente bekomme. Ich muss das einfach machen, Erfahrungswerte sammeln und diese dann weitergeben.

… den Beitrag der Kunst zum Thema Altern

Dass man ins Gespräch kommt darüber, was Leben ist. Menschliche Werte vermittelt werden.

"Für mehr Menschlichkeit in der Diskussion, was Qualität im Alter ist."

Dass Ältere integriert werden in diese Fragen. Kunst ist eine Form der Kommunikation.  Und oft erhalte ich von Kunst Wissen über mich selbst. Gerade beim Anfertigen von Portraits stelle ich fest, dass jeder Mensch ein ganz eigenes Wesen hat. Jeder hat seine Farben und seine eigene Position in der Gesellschaft. Und dieses Wesenhafte ist dann meine Aufgabe zu entdecken oder zu erspüren und zum Ausdruck zu bringen. Der Gemalte sieht sich dann selbst im Portrait und oftmals gefällt er sich nicht gleich. Das zeigt, wie ich zu mir selbst stehe.

… einen Ausblick

Ich komme mittlerweile wieder zurück zu den Pferden. Ich lerne viel von Pferden und beschäftige mich mit ihnen als Lebewesen. Mich interessiert dabei vor allem, wie ich im Einklang lebe mit mir und mit den anderen Lebewesen. Das kann man mit dem Pferd gut vermitteln weil das Pferd den Menschen wiederspiegelt. Ängstlichkeit, Aggressivität, das spiegelt einem das Pferd sofort. Das ist für mich ein interessanter Ansatz für das Menschsein.

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