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Michael Senft (Künstler)

Ausstellung im Franziskus Haus des Ev. Altenzentrums

von März bis September 2011

Am 10. März ist Ihre und Gerlinde El Shamis Ausstellung im Franziskus Haus eröffnet worden. Können Sie uns etwas über sich selbst erzählen?

Michael Senft Gern. Von Hause aus bin ich Kaufmann und Freizeitpädagoge. Direkt nach den Ausbildungen war ich noch Betreiber eines Restaurants. Nach 2 Jahren habe ich in die  Erwachsenenbildung gewechselt. Seit 10 Jahren arbeite ich freiberuflich in diesem Bereich mit unterschiedlichen Auftraggebern im Raum Karlsruhe.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Michael Senft Die Kunst selber habe ich erst 1995 entdeckt. Durch einen Zufall bin ich bei der Kunstakademie in Trier gelandet. Eine Bekannte hatte mir empfohlen, dort anzufragen. Das hat dann auch geklappt, auch ohne Kunststudium. Seither bin ich seit 14 Jahren 1-2  Wochen im Jahr in Trier an der Kunstakademie. Seit 2000 stelle ich meine Werke aus, mal alleine, mal mit Bekannten. Außerdem gebe ich Kurse an Volkshochschulen und privat im Bereich Skulptur und Holzschnitt.

Der Holzschnitt ist eine Drucktechnik, bei der ein flaches, geschnitztes Stück Holz gefärbt und auf Papier oder Leinwand aufgedruckt wird. Ist der Holzschnitt Ihr künstlerischer Schwerpunkt?

Michael Senft Ja, das kann man sagen. Das habe ich gelernt. Von 1995-2005 habe ich eigentlich ausschließlich Holzschnitt gemacht. Ca. 2006 habe ich begonnen aus den fertigen Bildern den besten Teil herauszuschneiden. Den Rest habe ich weggeworfen. Die besten Teile, das waren dann die sogenannten „Perlen-Quadrate“, wurden ausgestellt und verkauft.

"Im Auto hatte ich zufällig alte Zeitungen und Kleister."

Wie sind Sie auf die Idee mit den Astwerken gekommen?

Michael Senft Vor zwei Jahren waren wir im Sommer in Italien. Im Auto hatte ich zufällig alte Zeitung und Kleister. Eines Tages fand direkt hinter unserem Ferienhaus ein Radrennen statt. Die Radfahrer mussten eine unglaubliche Steigung hoch strampeln. Wir saßen da am Straßenrand und haben zugeschaut. Die sind so langsam gefahren, dass sie fast umgefallen sind. Die Radfahrer waren vor allem ältere Männer mit ganz bunten Hemden. Rund um unser Ferienhaus lag so viel Kleinzeug rum, Äste, Hölzer und so was. Kurz nach dem Radrennen hab ich angefangen, aus Ästen, Papier und Kleister Radfahrer zu machen. So wie ich die hinter unserem Haus gesehen hatte. Ganz dünn und ausgemergelt. Die haben gekämpft, um den Berg hochzukommen. Anstrengung und Freude in einem Gesicht! Und sie waren unglaublich stark mit ihrem Fahrrad verbunden. Das war der Anfang der Astwerke.

Und das sind genau die Radfahrer, die Sie hier ausstellen?

Michael Senft Nein. In den ersten 1,5 Jahren waren die Werke kleiner als diejenigen, die hier gerade ausgestellt sind. Die ersten Werke waren im Grunde so DIN A4 Größe. Letztes Jahr kam Herr Schmeling auf mich zu, vom Kuratorium der Initiative Pflege Kunst Pflege, und hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, hier in Bruchsal meine Figuren auszustellen. Wir haben uns das dann direkt vor Ort angeschaut. Als ich im Franziskushaus stand, war  klar, dass die kleinen Figuren auf der großen Wand untergehen. Ich musste die Figuren größer machen. Im Januar habe ich dann angefangen, die Figuren deutlich zu vergrößern. Jetzt stehen sie hier oben und genießen die Aussicht.

Also extra angefertigte Exponate für dieses Haus?

Michael Senft Ja, absolut. Und dieser Wandvorsprung  hier im Haus, auf dem die Werke nun stehen, der hat mich quasi eingeladen etwas Neues zu erarbeiten. Der hat meine Figuren zum Leben erweckt und dient jetzt als Rennstrecke. Mich hat das ganze Treppenhaus hier begeistert.

Können Sie uns konkret zu den hier ausgestellten Werken noch mehr erzählen?

Michael Senft Wie man sieht, beginnen meine Figuren sehr groß und werden dann immer kleiner. Am Ende in der Ecke steht dann die Frau, die die Radfahrer erwartet. Die Zielfrau empfängt die Radfahrer und jubelt ihnen zu. Wenn man die Treppe dann weiter hoch geht, kommen andere Figuren, die sind dann aus einer anderen Geschichte.

„…noch lieber schaue ich den Menschen beim Betrachten meiner Werke zu.“

Bei der Vernissage hatten Sie ja ein Werk von sich mitgebracht, das die Besucher anfassen und begutachten durften. Hatten Sie keine Angst um Ihr Kunstwerk?

Michael Senft Ich beantworte bei Eröffnungen zwar auch gerne Fragen und sage etwas Wichtiges, aber noch lieber schaue ich den Menschen beim Betrachten meiner Werke zu. Außerdem sind die Astwerke sehr stabil. Das wundert mich selbst auch immer wieder. Die Kombination von Kleister, alter Zeitung und Holzbeize ist doch unglaublich fest.

Wie genau stellen Sie so ein Astwerk her?

Michael Senft Zuerst gehe ich durch den Wald und schaue. Ich schaue nach außergewöhnlichen Formen. Irgendwann finde ich dann ein Stück Holz bei dem „sehe“ ich einen Arm oder Knie. Manchmal zeichne ich ein wenig und setze die Äste probeweise zu einer Figur zusammen. Diese Figur zum Beispiel (zeigt eine der kleineren Figuren die er zum Gespräch mitgebracht hat) besteht aus ca. 10 verschiedenen Aststücken. Die Verbindungen bestehen aus Papier und Kleister. Die müssen dann schon ein paar Tage vor der Heizung hängen um durchzutrocknen. Am Anfang ist das Material noch ganz weich und formbar. Bei den kleinen Werken habe ich auch getrocknete Stängel von Schnittblumen verarbeitet. Die sind natürlich fragiler. Am Ende wird die ganze Figur mit Holzbeize überzogen, sodass die Verbindungen nicht mehr störend ins Auge fallen und die Teile wieder „zusammen wachsen“. Denn  Papier war ja auch mal Holz. So ergibt sich wieder ein Ganzes. Die Räder entstehen aus Ästen von Weiden, wenn sie noch ganz frisch sind. So rund findet man in der Natur sonst nichts. Bei den kleinen Werken habe ich die Räder immer aus vielen kleinen Ästen zusammengesetzt. Bei den großen wollte ich etwas Neues probieren.

Wie lange brauchen Sie für ein Astwerk?

Michael Senft Einige Stunden und Geduld. Das Gebilde muss zwischendurch immer wieder etliche Stunden trocknen, bevor ich weiterarbeiten kann. Damit es stabil bleibt. Diese Art zu arbeiten, mit vielen Unterbrechungen kannte ich vorher nicht... Die Holzschnittbilder entstehen meistens ohne Pausen in ein paar Stunden.

„Was soll der Mist? (...)  Das ist ja Abfall aus dem Wald!“

Sie haben Ihre Werke ja schon oft ausgestellt. Haben Sie schon einmal zuvor in einem Altenzentrum oder einer Senioren-Wohnanlage ausgestellt?

Michael Senft Nein, noch nie! Aber ich fand schon den Aufbau hier sehr spannend. Ich war zum Aufbau zweimal für etliche Stunden im Haus. Durch die Art, wie das Haus gebaut ist, durch das offene Treppenhaus, bekommt man natürlich sehr viel mit vom Leben hier. Das war sehr spannend. Ein direkter Kontakt zu den Bewohnern war von Anfang an möglich. Eine Frau hat mich gleich angesprochen. Sie hat gesagt „Was soll der Mist?“. Ja wirklich, das hat sie gesagt. „Das ist ja Abfall aus dem Wald!“ kam dann noch dazu. Wortwörtlich. Ich hatte da gerade einen Raben in der Hand, der jetzt  im ersten Stock hängt. Ich habe ihr vorgeschlagen, sie soll stehen bleiben und ich gehe ein paar Schritte zurück, zwei, drei Meter. Dann habe ich sie gebeten, die Figur anzuschauen. Nur anzuschauen. Als ich dann ein paar Schritte zurück gegangen bin, sagt die Frau „Das ist ja ein Rabe!“ Dann  bin ich wieder zu ihr und sie wollte die Figur anfassen. Danach hat sich die Frau bei mir entschuldigt.

In diesem kurzen Moment haben Sie schon viel bewegt. Muss man Ihre Werke im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“?

Michael Senft Ja, das war eindrucksvoll. Diese kurze Begegnung hat mir schon gereicht als „Entlohnung“ für meine Arbeit. Und ich sehe immer wieder, dass bei vielen Menschen Kunst nicht durch das Auge allein „begriffen“ werden kann. Ein Wechsel der Perspektive und manchmal auch das direkte Begreifen tun ein Übriges.

Was würden Sie sich für Ihre Werke wünschen, hier in diesem Haus, was möchten Sie mit Ihren Werken hier erreichen?

Michael Senft Bei der Ausstellungseröffnung habe ich schon das bekommen, was ich mir wünsche: Interesse. Die Leute haben mich gefragt, was ich da gemacht habe. Wie die Werke gebaut wurden. Ich möchte mit meinen Werken ja vor allem Begegnung schaffen. In jedem einzelnen Werk steckt ein kleiner Teil von mir selbst. Und es steckt auch ein kleiner Teil einer Botschaft hinter den Werken. Ich habe einen Leitgedanken, der natürlich stark in die Werke eingeflossen ist: Wenn man sich für eine Sache entscheidet und diese aufrichtig macht, dann kommt man vorwärts. Auf dem Weg zu einer eigenen Formensprache. Dieser Gedanke ist ganz fest in den Figuren verankert.

„Wenn man sich für eine Sache entscheidet und diese aufrichtig macht, dann kommt man vorwärts.“ 

Meinen Sie, gerade Astwerke eignen sich für Menschen mit Beeinträchtigungen oder Menschen mit Demenz? Sprechen diese Werke eventuell andere Wahrnehmungskanäle an?

Michael Senft Da bin ich mir nicht sicher. Eine Bewohnerin, 92 Jahre, hatte mich auch angesprochen beim Aufbau. Und die hat gesagt, sie möchte hier eigentlich nur Blumen sehen. Vielleicht noch Häuser und Landschaften. Nachdem ich mich mit ihr gemeinsam ein wenig mit den Figuren beschäftigt habe, fand sie es dann doch interessant. Sie hat länger gebraucht, zu erkennen, was es ist. Aber das ist nicht nur hier im Altenzentrum so. Viele Leute sagen mir, wenn kein Titel unter meinen Werken stehen würde, würden sie nicht wissen, was es ist. Manche sagen auch, die Werke „stimmen“ ja gar nicht. Gemeint sind wahrscheinlich die Proportionen der Figuren. Da fehlt ja was. Auch bei der Eröffnung hatte ich das Gefühl, manche Betrachter wollen mich darauf ansprechen.

„Meine Werke sind eine Einladung zur Vervollständigung“

Aber genau das ist ein Teil davon, was die Initiative Pflege Kunst Pflege erreichen möchte: Bewegen. Das wäre mit einem „beliebigen“ Blumenbild nicht möglich gewesen. Da hätte man hinschauen und wieder wegschauen können. Das ist bei Ihren Werken nicht so einfach.

Michael Senft Ja, ich denke, das ist es, was im Vordergrund steht: Interesse wecken. Und vielleicht ist das ein Stück Lebensqualität für die Bewohner. Sie kommen ins Gespräch. Meine Werke sind eine Einladung zur Vervollständigung. Das Prinzip dabei: Bewegung herstellen, die man nicht sieht, die man aber spürt. Dazu muss ich das was ich sehe nicht schön finden und die Größenverhältnisse müssen nicht stimmen.

Die Ausstellung soll ja auch viel mehr, als nur „schön“ sein und Wohlgefallen auslösen, oder?

Michael Senft Ja, also der Begriff „Deko“ wäre für mich eine Beleidigung. Das ist ja schon fast ein Schimpfwort (lacht). Da ich aber weiß, dass Sie das hier eben nicht nur als Dekoration sehen und vermitteln, stelle ich sehr gerne bei Ihnen im Haus aus. Hier kann meine Kunst das sein, was sie sein soll, eine Art von Begegnung. Ich bin da durchaus wählerisch, der Ort an dem ich meine Werke ausstelle, der muss mir gefallen. Der Ort muss mir vermitteln: hier geht es nicht um „Dekoration“.

Wie sieht Ihre künstlerische Zukunft aus, bleiben Sie den Astwerken treu?

Michael Senft Ja, ganz bestimmt. Und den Fahrradfahrern auch. Das ist jetzt seit 1,5 Jahren meine Form. Das gab es bei mir vorher nicht. Jetzt habe ich zum ersten Mal nach 16 Jahren „meine Form“ gefunden. Das ist ein ganz starkes und schönes Gefühl. Und diese Form ist auch noch nicht zu Ende. Sie ist größer geworden, aber die Grundfigur bleibt. Ich habe einen Freund gefunden in dieser Form und die muss ich jetzt ausarbeiten, bis sie „leer“ ist, bis nichts mehr kommt. Und dann erst kann ich etwas Neues anfangen.

Sie haben ja gerade eben eine Figur abgehängt und eine neue dafür aufgestellt, weil diese Figur schon verkauft ist. Ihre Werke hier stehen alle zum Verkauf, 25% des Erlöses geht dabei an den Diakonieverein Bruchsal. Sind denn noch Exponate zu erwerben?

Michael Senft Ja, natürlich. Eine Preisliste für die Exponate liegt unten im Franziskushaus aus oder kann auf Anfrage vermittelt werden. Es liegen dort auch Postkarten mit meinen Kontaktdaten zum Mitnehmen aus.

Vielen Dank für das Gespräch!

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