titel video 40 jahreAktuelles Video zum 40jährigen Jubiläum

Hier ansehen oder unter Aktuelles/Videos noch mehr Videos finden.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Angela Junk-Eichhorn

Ausstellung im Franziskus Haus des Ev. Altenzentrums

von September 2011 bis März 2012

Frau Junk-Eichhorn, Ihre Bilder werden aktuell im Franziskus Haus des Ev. Altenzentrums ausgestellt. Könnten Sie kurz etwas über Ihren persönlichen Werdegang berichten?

Angela Junk-Eichhorn Meine Jugendjahre habe ich von 1950 – 67 in Habscheid, Kreis Bitburg-Prüm/Eifel verlebt. Dann habe ich Schulzeit und Studium in Trier verbracht. 1971 kam ich zum Studium an die Kunstakademie Karlsruhe, in die Malklasse von Prof. Arnold. Dort war ich bis 1978, parallel dazu, von 1974 – 76, habe ich Kunstgeschichte an der Uni Karlsruhe studiert.

1977 habe ich ein Auslandssemester in USA verbracht. Nach dem Studium habe ich Referendarzeit gemacht und bis 1986 auch  unterrichtet. 1988 habe ich  das Projekt „Kunst an der Plakatwand“ gegründet. Das ist vielleicht dem einen oder anderem bekannt.

Ich hatte immer ein starkes Bedürfnis, etwas weiter zu geben. Man hat Erfahrung und man trifft als Künstler ständig auf Leute, die mit Kunst nichts zu tun haben, es aber gerne hätten. Dem entsprang wohl auch mein Wunsch, zu unterrichten.

„Der Betrachter kann immer das herausnehmen, was ihm in diesem Moment etwas gibt.“

Sie sprechen von dem Bedürfnis, „etwas weiter zu geben“. Was denken Sie wird mit der Ausstellung im Franziskus Haus an die Bewohner, Angehörige oder auch Pflegende „weiter gegeben“?

Angela Junk-Eichhorn Als erstes wohl, dass man berührt wird. Da die Kunst frei ist in dem, was man sich vorstellt, kann man in das Bild hereinlegen, was man möchte. Meine Tante hat einmal beim Betrachten eines Bildes von mir gesagt „ da geht mir das Herz auf“. So ein Satz ist ein großes Geschenk. Der Betrachter kann immer das herausnehmen, was ihm in diesem Moment etwas gibt. Und ich wiederum habe die Bilder so gemalt, dass sie mir auch etwas gegeben haben.

„Im Grunde nehme ich Formen, setze sie zusammen und sehe dann was passiert.“

Welche Rolle spielt bei Ihnen das Miteinander von Farbe und Form?

Angela Junk-Eichhorn Bei der Eröffnung wurde ich auch auf die sich wiederholenden Formen angesprochen. Diese Formen entwickeln sich. Ich zeichne viel. Ich zeichne in der Natur oder was ich gerade sehe und wahrnehme. Eine Form, die mir gefällt entwickele ich dann weiter, soweit, bis sie so abstrakt ist, dass man sie als solche nicht mehr erkennen kann. Bzw. nicht mehr erkennen kann, in welchem Zusammenhang ich sie entdeckt habe. Dadurch wird die Form dann „frei“ von ihrer vorherigen Deutung. Sie kann ganz für sich allein stehen. Und dann kann ich ihre Qualitäten kennen lernen. Je nachdem, wie ich die Form dann anordne, erhält sie einen völlig eigenen Ausdruck im Bild. Das hat mich jahrelang fasziniert. Die Ausdruckskraft einer bestimmten Form. Im Grunde nehme ich Formen, setze sie zusammen und sehe dann was passiert. 

Wenn wir Ihnen beim Schaffen eines Bildes im Zeitraffer zusehen würden, was genau würden wir dann sehen?

Angela Junk-Eichhorn Ich  beginne ich mit einer wagen Idee oder auch völlig planlos. Das mit dem ich beginne, sei es eine feste Form oder nur ein Pinselauftrag, die Form mit der ich beginne, bekommt durch alles, was danach kommt einen Zusammenhang. Den verfolge ich und lasse mir sagen, was als nächstes kommen soll,- intuitiv. Es geht dann um Spannung, um das Kommunizieren der Formen miteinander.

Nach dem Zeichnen gehen Sie zur Leinwand und legen los?

Angela Junk-Eichhorn So einfach ist das leider auch nicht (lacht). Manchmal setze ich auch „gefundene“ Formen in ein bereits begonnenes Bild. Und schaue dann wieder, was passiert. Ganz besonders stark passiert das dann bei den Collagen.  Es ist etwas da, man setzt etwas Anderes rein, und dann „arbeiten“ diese Elemente miteinander. Das ist nicht planbar.

„Dann höre ich, was die Formen mir erzählen.“

Formen sind für Sie lange attraktiv?

Angela Junk-Eichhorn Ja. Mit bestimmten Formen kann ich mich jahrelang beschäftigen. Und diese verhalten sich in unterschiedlichen Umgebungen auch immer anders. Ich lege  eine Form in einen bestimmten Zusammenhang aus anderen Formen oder Farben. Dann höre ich, wozu das Gegebene herausfordert. Das  veranlasst mich zu unterschiedlichen Techniken. Ob nun z. B. Collagen, Druckvarianten o.ä. Das ist auch ein Stück Experimentieren und Beobachten was passiert.

Also ist es die Kunst zuzuhören, was die Dinge einem erzählen?

Angela Junk-Eichhorn Ja, genau so ist es.

Muss sich auch der Betrachter Zeit nehmen, dem Bild „zuzuhören“?

Angela Junk-Eichhorn Ja. Zeit und Muße. Die Frage, „was soll das sein?“ hilft da gar nicht weiter. Man muss das Bild auf sich wirken lassen und es erleben.

Haben Sie hier im Haus Reaktionen auf Ihre Bilder erlebt?

Angela Junk-Eichhorn Am Anfang kamen vor allem Fragen zu den Formen. Aber mir wurde berichtet, dass eine Bewohnern meinte, vor allem „das junge“ Gesicht bei den Portraits gefalle ihr. Und das zeigt: jeder holt sich das, was er braucht.

„Es gibt kein „richtig“ und „falsch“ in der Kunst.“

Wie, denken Sie, gehen Menschen mit Demenz auf Kunst zu?

Angela Junk-Eichhorn Grundsätzlich möchte ich darüber gar nicht urteilen, weil ich keine Vorstellung habe. Aber ich denke, dass gerade die Kunst zulässt, dass jeder das „versteht“ was ihm wichtig ist. Es gibt kein „richtig“ und „falsch“ in der Kunst. Es gibt ja im Grunde noch nicht mal ein „Verstehen“. Es geht ja um Erleben. Meine Mutter hatte auch Demenz. Ich habe sie in den letzten Jahren sehr „emotional erreichbar“ erlebt.

Sie hatten ja zu Beginn gesagt, dass es schön wäre, wenn Sie „berühren“ könnten. Bei Menschen mit Demenz ist die emotionale Erreichbarkeit oftmals noch sehr stark ausgeprägt.

Angela Junk-Eichhorn Und die rationale Kontrolle fehlt ein Stück weit, -was dem Erleben von Kunst sehr gut tut! Ich war auch froh, meine Mutter noch so erlebt zu haben. Oft ist das Verhalten von Menschen mit Demenz ja nur für die Gesellschaft ein Problem. Weil „man“ sich so nicht verhält.

„Musik war der Zündstoff für meine Ideen.“

Ihre Bilder werden in Ihrem Katalog mit Musik verglichen. Welche Rolle spielt Musik für Ihren Schaffensprozess oder generell für Sie persönlich?

Angela Junk-Eichhorn Ich habe ganz starken Bezug zur Musik. Mir hat Musik ganz viele Impulse gegeben. Musik war der „Zündstoff“ für meine Ideen. Für mich ist das immer ganz erstaunlich, wie ähnlich sich die Künste sind. Eine befreundete Komponistin hat Musik zu meinen Bildern komponiert. Das finde ich sehr faszinierend. Gerade Landschaftsbilder sind für mich „musikalisch“. Innerlich gehörte  Musik wird dann zu Schwüngen und Linien. Auf und Ab. Und daraus entsteht eine Landschaft.

Ihre Malerei wird auch als „meditativ“ bezeichnet. Ist das so?

Angela Junk-Eichhorn Ja, nur durch Besinnung finde ich Zugang zur Kunst. Meine Malerei ist keine schnelle Malerei und sie provoziert auch nicht auf den ersten Blick. Meine Bilder haben meines Erachtens keine große Geste. Sie sind eigentlich still. Auch wenn starke Farben benutzt werden.

In meinen Bildern bewege ich mich oftmals vom Erdigen zum Transparenten. Ich versuche einen Raum nach hinten zu öffnen. Ich habe z.B. Packpapier benutzt. Packpapier hat etwas ganz Nahes und Alltägliches. Erdiges. Das Packpapier bewirkt Präsenz.

Ist das die Spiritualität in Ihren Bildern?

Angela Junk-Eichhorn Ja, ganz genau. Das spielt eine große Rolle. Nähe und Weite. Und das kann die Leute ansprechen. Falls sie es zulassen, inne zu halten. Und nicht nur den rationalen Dingen Bedeutung zu schenken.

Wie sehen Ihre Zukunftsgedanken aus? Haben Sie Pläne?

Angela Junk-Eichhorn In der Ausstellung sind eher etwas ältere Bilder von mir zu sehen. Aktuell gehe ich wieder in Richtung Natur und Realismus. Das ist auch irgendwie meine Wurzel. Vor allem im Studium habe ich realistisch gearbeitet. Nach dem Studium hatte ich aber das Gefühl, da bin zu wenig ich selbst in den Bildern. Ich bin dann in meinen Arbeiten bis heute immer abstrakter geworden. Heute habe ich das Gefühl, meine Wurzeln kommen wieder. Und drängen sich einfach auf. Aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Ich bin gespannt wie es sich entwickelt.

Nach Ihrem Prinzip: Experimentieren und Beobachten. Und horchen, was die Formen Ihnen sagen.

Angela Junk-Eichhorn Ja, genau.

Ihre Bilder prägen den Raum und verändern ihn. Das ist für die Bewohner und Besucher im Franziskus Haus eine neue Anregung.

„Unser Bild vom Alter und unser Bild von der Kunst sind falsch.“

Angela Junk-Eichhorn Ich denke, dass Bilder den eigenen Raum weiten. Weiße Wände tun das nicht. Bilder rufen etwas beim Betrachter ab und fordern damit etwas heraus. Das könnte man ganz bestimmt messen im Gehirn. Da bin ich mir sicher. Das Intuitive wird vielleicht besonders im Alter angesprochen. Unser Bild vom Alter und auch unser Bild von der Kunst sind falsch- eben nur Bilder. Wir denken oftmals, nur der typische Bildungsbürger hat einen Zugang zur Kunst. Aber das stimmt nicht. Es gibt da überhaupt keine Grenze. Das Empfinden und die Reaktion auf Kunst können bei jedem Menschen auftreten.

Auch die Vorstellung, „was gefällt“, z.B. dass Älteren nur realistische Malerei oder Stilleben gefallen würden. Das ist ein Vorurteil.

Angela Junk-Eichhorn Wie kann ich behaupten zu wissen, was anderen gefällt oder was jemand versteht oder nicht versteht? Das ist unmöglich. Und darum geht es auch nicht bei der Kunst. Und darum finde ich die Ausstellung hier im Franziskus Haus vorbildlich. Dass Künstler ganz unterschiedlicher Stilrichtungen eingeladen werden. Möglichkeiten bekommen, zu berühren. Und es funktioniert.

Vielen Dank für das Gespräch!

EAZ Logo Web bg

Huttenstrasse 47a | 76646 Bruchsal
Telefon 07251 9749 0 | kontakt@eaz-bruchsal.de

Merken

Merken

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen