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Alexandra Schlotthauer

Lehrerin an der Albert-Schweitzer-Realschule Bruchsal, Spiele-Projekt mit der Klasse 7d

 

Am 17. Juni fand im Ev. Altenzentrum die feierliche Übergabe der selbst gebauten Spiele Ihrer Klasse statt. Wie genau kam es zu diesem Projekt?

Alexandra Schlotthauer Die Idee stammt ursprünglich von Herrn Dr. Waterkamp. Gemeinsam mit unserem Schulleiter Herr Betz entstand die Idee zu einem nachhaltigen Projekt. Herr Betz hatte vor einiger Zeit innerhalb der Aktion „Perspektivwechsel“ das Leben und Arbeiten im Ev. Altenzentrum kennen gelernt. In der Schule hat Herr Betz dann von dieser Idee berichtet und auch noch mal im Rahmen des SE-Projektes (Soziales Engagement) für diese Möglichkeit geworben. Das SE-Projekt  führt unsere Schüler sonst oftmals in den Kindergarten. Das liegt zwar nahe, ist aber für die Schüler oftmals keine neue Erfahrungswelt mehr. Vielmehr werden da oftmals Stunden „abgesessen“ und diese Erfahrungen bleiben ohne großen Nachhall.

„Es war klar, dass wir die Spiele entwickeln und dann diese Spiele mit den Bewohnern testen. Nicht mehr und nicht weniger.“

Sie hatten Ihrer Klasse ja mehrere Alternativen in Aussicht gestellt, z.B. ein Tierprojekt, ein Waldprojekt oder ein Fußballturnier. Wie konnte sich da das Projekt mit dem Ev. Altenzentrum durchsetzen?

Alexandra Schlotthauer Ich habe zu jedem Projekt etwas erzählt und jeweils Vor- und Nachteile aufgezählt. Bei dem Spiele-Projekt kamen ganz am Anfang Berührungsängste einiger Schüler auf. Diese Schüler dachten, sie sollten direkt in die Pflege der Älteren einbezogen werden. Aber das war ja so gar nicht gedacht. Es war klar, dass wir die Spiele entwickeln und dann diese Spiele mit den Bewohnern testen. Nicht mehr und nicht weniger. Und als das klar war, haben schon mehr als zwei Drittel der Schüler für dieses Projekt gestimmt.

Sind denn diese anfänglichen Berührungsängste im weiteren Verlauf des Projektes noch einmal aufgetreten?

Alexandra Schlotthauer Überhaupt nicht mehr. Das hat mich selbst erstaunt. Und wenn dann doch eine Sorge o.ä. geäußert wurde, haben das die Mitschüler sehr schnell aufgefangen. Da kamen dann Äußerungen wie z.B. „Findest Du das denn auch ekelig, Deinen Opa zu berühren?“ Und im weiteren Verlauf haben diese Ängste oder Sorgen keine Rolle mehr gespielt. Als das Projekt dann feststand, hat auch die Klasse voll hinter dem Projekt gestanden. Ich habe keine negativen Äußerungen mehr gehört.

Wie haben Sie Ihre Schüler am Spielenachmittag erlebt?

Alexandra Schlotthauer Ganz ungezwungen. Die Schüler haben sich gleich an die Tische gesetzt und auch während des Spielens war ich erstaunt: ich habe etliche Male beobachtet, wie ein Schüler ganz spontan einem Bewohner geholfen hat, wenn etwas nicht gleich ganz geklappt hat. Also hier fand der Austausch zwischen den Generationen wirklich ganz natürlich und selbstverständlich statt.

Sie haben das Projekt mit einer 7. Klasse durchgeführt. Welchen Einfluss hatte das Alter der Schüler auf das Projekt?

Alexandra Schlotthauer Also man muss sagen, die Klasse ist eine tolle Klasse. Sobald die Schüler als Gruppe sich für etwas entschieden haben, wird das auch durchgezogen und dafür gekämpft. Das ist schon sehr beeindruckend. Wenn sich einer der Gruppe im Verlauf des Projektes quer gestellt hätte, dann hätten die anderen ihn zurecht gewiesen.

„Die Schüler konnten über eine ganz andere Lebenswelt etwas erfahren.“

Spielt das Thema Altern im Alltag der Jugendlichen sonst eine Rolle?

Alexandra Schlotthauer Wenig. Die befinden sich ja mitten in der Pubertät. Da beschäftigen sich die Schüler zwar mit „Altern“, aber mit einem ganz anderen Altern. Da ist der Blick ja oft ganz zentriert auf sich selbst und seine „alltäglichen“ Probleme. Gerade deswegen fand ich das Thema ganz spannend. Die Schüler konnten über eine ganz andere Lebenswelt etwas erfahren. Dennoch sollte der „Spaßfaktor“ nicht zu kurz kommen. Das Projekt sollte nicht von theoretischen Überlegungen und Fakten überlastet werden. Die Entwicklung und der Bau der Spiele sollte den Schülern vor allem Freude machen. Und das hat es ja auch getan.

Das Projekt war für alle Beteiligten erfolgreich. Was sind die Rahmenbedingungen, unter denen ein solches Projekt gut gelingen kann?

Alexandra Schlotthauer Ich war vorerst erleichtert, dass bereits ein so guter Kontakt hergestellt war. Ich wusste von Herrn Dr. Waterkamp und seiner grundsätzlichen Bereitschaft zu einem solchen Projekt. Das ist schon einmal viel Wert. Der direkte Kontakt mit Frau Klinger (Mitarbeiterin der Beschäftigungstherapie und seitens des EAZ verantwortlich für das Projekt) kam sehr schnell zustande und da hat glücklicherweise gleich die Basis gestimmt. Wir waren auf einer Wellenlänge, was das Arbeiten natürlich sehr erleichtert hat. Es war enorm wichtig zu wissen, dass man einen Ansprechpartner hat, falls irgendetwas schief läuft oder sich Fragen auftun. Auch andersherum stand ich natürlich jederzeit für Frau Klinger zur Verfügung.

Neben dem guten Kontakt war außerdem wichtig, dass wir frühzeitig wussten, welche Spiele gewünscht sind. Wir hatten ja zu Anfang eine Vorauswahl an Spielen getroffen, die wir dann an Frau Klinger weiter gereicht haben. Frau Klinger kam dann zu uns in die Schule und hat gemeinsam mit uns besprochen, warum z.B. einige der Ideen für Bewohner mit Demenz nicht einsetzbar sind. Dann haben wir ja auch noch einen Fragebogen entwickelt, der dann letztendlich zeigen sollte, welche Spiele wir „in Auftrag nehmen“.

Wichtig waren also eine Art von „Türöffner“ und dann die enge Kommunikation zwischen den Projektpartnern?

Alexandra Schlotthauer Ja, auf jeden Fall. Frau Klinger hat uns ja auch einige Male besucht, was uns immer wieder weiter gebracht und motiviert hat. Gerade bei ihrem letzten Besuch waren wir doch alle sehr aufgeregt und nervös: sind die Spiele nun richtig und brauchbar? Oder immer noch zu klein? Und als Frau Klinger dann die Spiele gesehen hat und begeistert war, fiel uns auch ein Stein vom Herzen.

„…die Klasse war als Gemeinschaft noch mal ganz anders gefordert.“

Könnten Sie sich weitere Projekte mit dem Ev. Altenzentrum vorstellen?

Alexandra Schlotthauer Natürlich. Gerade weil der Nachmittag so angenehm und positiv verlaufen ist und weil alle Beteiligten sich begeistert gezeigt haben. Auch Herr Dr. Waterkamp hatte noch einmal betont, dass Bruchsaler Schüler jederzeit im Altenzentrum willkommen sind und dass die Tür für gemeinsame Projekte offen stünde. Ich habe im Kollegium Werbung für diese Art von Projekt gemacht und glaube, dass das sicherlich den ein oder anderen motivieren wird. Auch wenn das selbstverständlich mehr Aufwand ist, als z.B. in den Kindergarten zu gehen. Das Projekt im Altenzentrum hat aber gezeigt, dass auch unterschiedliche Generationen voneinander lernen können. Und die Klasse war als Gemeinschaft noch mal ganz anders gefordert.

Vielen Dank für das Gespräch!

* weitere Informationen zum Spiele-Projekt finden Sie hier:

EAZ Logo Web bg

Huttenstrasse 47a | 76646 Bruchsal
Telefon 07251 9749 0 | kontakt@eaz-bruchsal.de

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